Im August habe ich zum ersten Mal von einen Ansitz aus, Wildtiere fotografiert. Wie es dazu kam und wie alles ablief, beschreibe ich in diesem Beitrag.
Was ist Ansitzfotografie?
Bei der Ansitzfotografie, versteckt sich der Fotograf in einem zuvor aufgebautem oder stationärem Foto-Hide, einem Fotoversteck. Hier gibt es mobile Varianten in Zelt-Form, man kann sich aber auch selber eines bauen mit Tarnnetzen und Material aus der Umgebung.
Wo kann ich das machen?
Ich hatte riesiges Glück und konnte bei einer Forellenzucht keine 5 Minuten von mir zu Hause entfernt einen Platz im Foto-Hide buchen. Gefunden habe ich den Eisvogelpark durch Zufall auf Google Maps. Wenn man aber gezielt danach sucht, gibt es in Deutschland und Europa diverse Angebote. Es handelt sich hier um eine Forellenzucht, die speziell für Fotografen einen extra kleinen Teich angelegt hat welcher regelmäßig mit Jungfischen gefüllt wird. Die beiden Besitzer haben zudem ein sehr komfortables Fotoversteck mit 4 Sitzplätzen eingerichtet. Es waren bequeme Stühle und vorinstallierte Stative vorhanden.
Was kostet es und wie buche ich einen Platz?
Gekostet hat ein Platz genau 120€. Dafür darf man aber von morgen 8 Uhr bis in die Dunkelheit am Abend bleiben.
Gebucht wird über die Homepage Eisvogelpark Landsberg. Man sollte mehrere Monate im Voraus buchen, da die Plätze schnell vergeben sind.
Welches Equipment braucht man?
Teleobjektive und Kameras mit schneller Serienbildfunktion sind hier Pflicht. Ich hatte mein 100-400mm Objektiv auf meiner Canon 5D Mark4 und meine Canon 80D mit einem 70-200mm Objektiv dabei. Beide meistens auf ihrer Maximalbrennweite. Durch den Cropfaktor der 80D hatte ich hier eine 320mm äquivalente Linse am Start.
Wie lief es ab?
Man trifft sich morgens um 8 Uhr mit den anderen drei Fotografen bei der Forellenzucht. Einer der Besitzer begleitet dann die Gruppe zum Hide. Hier sucht sich jeder einen Platz aus und baut seine Ausrüstung auf.

Die Besitzer verteilen auch noch ein wenig Futter rund um den künstlich angelegten Teich:

Danach sollte dann Ruhe einkehren um die ersten Tiere anzulocken und es heißt erstmal WARTEN. Für die Ansitzfotografie braucht man sehr viel Geduld und Reaktionsgeschwindigkeit.
Sehr schnell kommen die üblichen Singvögel wie Amseln, Kohlmeisen, Blaumeisen, Rotkehlchen wieder an den Teich, um sich das frische Futter zu schnappen.

Bald darauf kamen auch Spechte, Bachstelzen, Zaunkönige und viele andere Vögel.

Der erste Eisvogel hat sich nach ca. 2 Stunden Wartezeit durch seinen leisen Ruf angekündigt. Es ist ratsam sich im Vorfeld einmal den Ruf der Tiere die man fotografieren will anzuhören!

Und hier habe ich zum ersten mal seit 10 Jahren der Landschaftsfotografie gemerkt, dass meine Kamera für diese Art von Fotografie nicht wirklich geeignet ist. Mit 6-7 Bildern pro Sekunde habe ich vom Eisvogel nur Bilder auf den Ästen hinbekommen, während meine Fotografen Kollegen mit bis zu 40 Bildern pro Sekunde den Eintauch-/Abflug Zeitpunkt der Eisvögel in Angriff genommen haben.
Generell sollte man Kameras verwenden die mit hohen ISO Werten noch gute Bilder produzieren. Man sollte nämlich die Verschlusszeit sehr hoch halten, 1/1000 sek. sollte hier das Minimum sein, eher kürzer, dass kriegt man nur durch hohe ISO Werte hin. Auch Objektive die offenblendig noch sehr scharf sind, sollte man nutzen (in meinem Fall hatte ich L-Linsen von Canon dabei).
So schnell wie der Eisvogel da war, war er auch wieder weg und es sollten weitere 6 Stunden warten vergehen ehe wieder einer zu sehen sein sollte. Dieses mal ohne Ankündigung durch einen Vogelruf. Auf einmal saß er wieder auf einem der überhängenden Äste.

Insgesamt 7 Mal versuchte er einen Fisch aus dem Teich zu fangen. Ich schätze das klappte bei 50% der Versuche. Hier hatte ich also viele Möglichkeiten mein perfektes Bild hinzubekommen. Vor allem den richtigen Moment und den richtigen Ast zu fokussieren wo der Vogel nach erfolgreicher Jagd landete war schwierig. Sobald ein Eisvogel einen Fisch erbeutet, schlägt er ihn mehrmals an den Ast bevor er ihn verschluckt. Hierbei sind die besten Bilder entstanden. Auch einsetzender Regen hat den Vogel nicht gestört und wir konnten knapp 40 Minuten durchgehend fotografieren.
Nach ca. 2000 Bildern war es dem Vogel dann genug und er verschwand für den Rest des Tages. Aber das Warten lohnt sich trotzdem, es kam noch eine Schlange und diverse andere Tiere (Ratte) und Vögel vorbei.
Wenn man sich die Homepage anschaut hat man hier auf jeden Fall Chancen auf Eichhörnchen, Marder, Fischreiher und viele mehr. Die haben wir allerdings an diesem Tag nicht gesehen.
So ging dann mit einsetzen der Dunkelheit und die immer längeren Verschlusszeiten der Tag auch zu Ende.
Mein Fazit:
Der Tag war ein voller Erfolg und mein schönstes Bild vom Eisvogel hängt schon im Wohnzimmer als Alu-Dibond Druck ! Werde ich 2027 auf jeden Fall erneut buchen.